(Foto: Katie Brady via CC BY)
(Foto: Katie Brady via CC BY)

Machen wir es kurz: “Wir sind sabbernde Cyberhunde.” Das Handy vibriert, facebook piept, eine rote Zahl erscheint – irgendwas ist passiert. Also: Schnell das Handy, Smartphone, Tablet etc. zücken und nachschauen, die (meist) belanglose Nachricht direkt lesen. Nicht nur Tiere können auf bestimmte Verhaltensweisen konditioniert werden, das gleiche geht auch beim Menschen. Die Theorie dahinter hat jeder schon mal gehört: Wenn man einen Reiz oft genug in einer bestimmten Situation wiederholt, stellt das Gehirn eine Verbindung zwischen Reiz und Situation her. Dabei muss der Reiz gar nichts damit zu tun haben. Später reicht der Reiz allein aus, um das restliche Verhalten hervorzurufen. (Bei Pawlow haben Hunde beim Glockenklingen angefangen zu sabbern. Vorher hatte es dabei nämlich immer Essen gegeben.) Neumodisch, auf den Menschen übertragen, heißt in etwa das gleiche Prinzip jetzt: Behavioural Engineering.

Menschen, die im Netz Geld verdienen wollen, sind eigentlich immer auf der Suche nach dem “next big thing”. Um erfolgreich zu werden, reicht es nach Niral Eyal nicht mehr aus, nur ein hype oder viral zu sein. Stattdessen müsse man im potentiellen Kunden Gewohnheiten etablieren:

It’s the fact that if I recommended a book to purchase, your mind would flash “Amazon” like a gaudy neon sign. If habits are defined as repeated and automatic behaviors, then technology has wired your brain so you behave exactly the way it wants you to. (Niral Eyal auf techchrunch.com)

A cemented habit is when users subconsciously think, “I’m bored,” and instantly Facebook comes to mind. They think, “I wonder what’s going on in the world?” and before rationale thought occurs, Twitter is the answer. The first-to-mind solution wins. (Niral Eyval in seinem Blog)

Um solche Gewohnheiten zu etablieren und sich damit im Alltag zu positionieren, braucht es neue Bedürfnisse. So weit, so relativ bekannt und weniger innovativ … Spannend – oder gruselig – wird es erst, wenn “Ich” nicht mehr der aktive Teil bin, der ein Bedürfnis hat bzw. dem ein Bedürfnis suggeriert wird. Durch Notifications (Mail, Vibration, Push-Meldungen usw.) wird in mir der Reflex ausgelöst, wissen zu wollen, was los ist. Ich schaue also auf die Seite und lese, meistens, eher belanglose Kommentare, auf die ich hätte auch noch einige Stunden warten können. Dank klassischer Verhaltenskonditionierung habe ich aber das Gefühl, irgendwas zu verpassen und direkt nachschauen zu müssen. Anstatt bei einer Glocke an Essen zu denken, denke ich bei einem Piepen, Vibrieren usw. an … Verdammt seist du, Pawlow!

PS: Gott sei dank – man kann Reize und Verhalten auch wieder entkoppeln, d.h. die Konditionierung aufheben: “Ja, ich weiß, ich habe eine Mail bekommen. Nein, ich lese sie nicht gleich.”

PPS: Bei Breitband gibt es in der aktuellen Sendung einen sehr unterhaltsamen Beitrag und ein schönes Interview zu hören.

PPPS: Sorry an den Hund (und alle anderen auch) für die thematische Verunglimpfung. Das tolle Bild habe ich von Flickr genommen, es steht dort unter einer Creative Commons-Lizenz.

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