Sandra hat drüben auf radiomachen ein putziges Interview des BBC-Kollegen Chris Stark mit Mila Kunis analysiert und fünf Tipps für (bessere oder unterhaltsamere?) Interviews daraus abgeleitet. Das Interview ist alles andere als trocken, ernst oder “typisch BBC”.

Die Frage, die man daraus ableiten kann: Wie ernst muss ein “Interview”, wie unterhaltsam / albern (im positiven Sinne) – “frisch” – kann es sein? Chris Stark hat die Frage für sich beantwortet, indem er Kunis beispielsweise fragt, ob sie mit ihm zur Hochzeit eines Freundes gehen oder mit ihm in einer Kneipe etwas trinken will. Was aber nicht heißt, dass Stark sich nicht auf das Interview vorbereitet hat und nur rumblödelt. Ich glaube, er hat sogar mehr Zeit darin investiert hat, als für das typische Frage-Antwort-Spiel bei einem Panorama-Film-Interview nötig wäre. (Praktisch für ihn: Die zentralen Fragen zum Film – wie heißt der eigentlich? – handelt Kunis von selbst in einem kurzen Monolog ab. Sie will lieber mit Stark sprechen, als Standard-Phrasen zu dreschen.)

Sandras fünf Tipps (ich würde die Liste noch um Nummer 6 – ein bisschen naiv bleiben – ergänzen) haben bei mir im Kopf und auch bei anderen Leuten Fragen bzw. Skepsis aufgeworfen.

Der Grundtenor: “Ja, bei weichen Themen mag das funktionieren, bei ernsten wohl eher  nicht.”

Ohne darauf jetzt eine wirklich griffige Antwort zu haben: Ich glaube, wir unter- bzw. überschätzen  manchmal Themen und ihren Unterhaltungswert. Auch bei Wissenschaftsthemen müssen wir nicht immer überernst und faktengeleitet sein, dürfen dabei sogar auch Spaß haben. Ein gutes Beispiel dafür sind meiner Meinung nach die Durchblicker, die Live-On-Tape-Reportagen zu wissenschaftlichen Themen senden. (Dass Wissenschaft auch richtig albern sein und Spaß machen – und man trotzdem etwas lernen kann, beweisen die Macher von Radiolab im US-Radio ja auch immer wieder.)

Auch Wirtschaftsthemen lassen sich mit Hilfe von (mein derzeitiges Lieblingsthema) Storytellingtechniken unterhaltsam und spannend gestalten – hier kommt es wahrscheinlich mehr noch auf den Zugang zum Thema an. Bei Planet Money werden nicht nur Filmhandlungen besprochen, sondern auch Offshore-Accounts, die Staatsverschuldung etc.

Ich glaube, man muss nicht jedes Interview so führen, wie es Chris Stark macht. Aber allein das Thema diktiert meiner Meinung nach auch nicht (vollständig?), wie vermeintlich seriös man eine Geschichte aufziehen muss. Wissenschaft, Wirtschaft, (Hoch-)Kultur und Politik können tiefgründig sein und trotzdem gerade deshalb auch unterhaltsam sein.

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